Sompio Naturpark
Ein Stück Weltkriegsgeschichte kann der Wanderer im lappländischen Sompio Naturpark nördlich von Sodankylä erleben - und dabei ein neues finnisches Wort lernen: palovartijanmaja.

Der Sompio Naturpark gehört sicher zu den Zielen, die nur wenige ausländische Touristen zu Gesicht bekommen. In Reiseführern wird das Naturschutzgebiet kaum erwähnt. Wir haben auf der Seite der finnischen Staatsforsten darüber gelesen und sind an einem trüben Sommertag erst einmal auf der Fernverkehrsstraße E75 herumgeirrt, bis wir die Abfahrt zum Naturpark gefunden haben. Der Weg dorthin ist leider nur schlecht beschildert.
Steiniges Abenteuer
Auf einer Schotterpiste geht es anschließend mehrere Kilomter in die Wildnis, bis wir an der Sompiojärventie ein kleines Parkplatz-Schild entdecken: Hier beginnt er also, der Weg mit dem unhandlichen Namen Pyhä-Nattanen, der uns auf sieben Kilometern Länge auf den gleichnamigen Berg und wieder zurück bringen soll. Um ehrlich zu sein: Wenn wir gewusst hätten, was uns hier erwartet, wären wir vielleicht an Ort und Stelle wieder umgekehrt. So aber beginnt ein steiniges Abenteuer, das wir in dieser Form in Finnland noch nicht erlebt haben.

Der erste Teil des Wanderwegs ist noch harmlos, er führt auf Bohlenpfaden durch ein kleines Wäldchen. Anschließend geht’s auf einem Trampelpfad weiter, aber immer noch gemächlich. Mit der Zeit allerdings wird die Strecke zunehmend unwegsam: Immer mehr Steine liegen im Weg, die Steigung nimmt zu. Es dauert eine ganze Zeit, ehe wir den Gipfel des Berges zu Gesicht bekommen. Aus der Ferne sieht der Pyhä-Nattanen aus wie ein großer Felsen, doch je näher wir dem Gipfel kommen, umso mehr erkennen wir: Das ist kein riesiger Felsen; das sind vielmehr lauter kleinere und größere Gesteinsbrocken. Wir steuern sozusagen ein gewaltiges Geröllfeld an.

Auf dem Weg nach oben begegnen wir einem finnischen Wander-Pärchen. “Es ist zwar Regen im Anzug”, sagt der Mann, “aber ihr werdet noch einen guten Ausblick haben.” Und tatsächlich: Je näher wir dem Gipfel kommen, um so schöner wird die Aussicht - trotz des bedeckten Himmels. Als wir mit unseren Kräften schon ziemlich am Ende sind, erspähen wir am Wegrand ein Schild: Bis zur palovartijanmaja sind es noch 200 Meter, steht darauf geschrieben.
Brandwachenhütte mit Vorgeschichte
Es sind anstrengende 200 Meter, die wir überwinden müssen, bis wir endlich den Gipfel erreicht haben - und damit auch die palovartijanmaja, eine Brandwachenhütte mit bewegter Geschichte: Wo heute die Hütte steht, befand sich früher einmal eine Opferstätte der Sami. Im zweiten Weltkrieg wurde auf dem Pyhä-Nattanen-Fjell ein militärischer Beobachtungsposten eingerichtet; die Armee wollte damit verhindern, dass deutsche Truppen von Süden aus nach Lappland einmarschieren. Später war hier eine Brandwache stationiert. Der Standort ist ideal: Vom Pyhä-Nattanen aus kann man weit in die Landschaft blicken.

Diesen Ausblick genießen wir intensiv, ehe wir uns an den Abstieg machen. Vom Gipfel aus führt der Rundweg über das Geröllfeld nach unten - eine echte Herausforderung. Denn zum einen ist die Strecke so gut wie nicht beschildert; oft müssen wir lange suchen, ehe wir den nächsten farbig markierten Pflock entdecken. Zum anderen laufen wir hier nicht über festen Boden, sondern über Geröll; jeder Schritt muss gut überlegt sein, denn so mancher der Steine gerät gefährlich ins Schwanken, wenn wir darauf treten.
Blutrünstige Stechmücken lauern im Tal
Als wir nach einer schier endlosen Strecke über Geröllfelder endlich im Tal angekommen sind, landen wir in einem Sumpfgebiet ohne Bohlenpfade, dafür aber mit hungrigen Stechmücken. Wir sind erleichtert, als wir endlich ein Hinweisschild entdecken, das uns zur Straße zurückführt. Nach gut drei Stunden erreichen wir unser Auto wieder - mit dem einsetzenden Regen. An diese Wanderung werden wir noch oft denken (und uns dann hoffentlich nur an die schöne Aussicht auf dem Gipfel erinnern).
Feste Schuhe und gute Kondition im Gepäck? - Dann also auf in den Sompio Naturpark. Er liegt an der Fernverkehrsstraße E75 knapp 90 Kilometer nördlich von Sodankylä. Hier befindet sich die Ortschaft Vuotso; am Rande dieses Orts biegen Sie nach Osten auf die Sompiojärventie ein, wo Sie nach wenigen Minuten den Parkplatz des Wanderwegs erreichen. Übrigens: Wir haben für den Aufstieg eine gute Stunde benötigt, für den Abstieg die doppelte Zeit.
Und noch ein Tipp: Besuchen Sie die Tankstelle in Vuotso. Sie hat in den späten 2010er Jahren für einigen Medienrummel gesorgt, weil sie aus unerklärlichen Gründen zum Treffpunkt von Rentieren geworden war. Der staatliche Fernsehsender Yle hat seinerzeit darüber berichtet. Den Bericht mit Video finden Sie auch heute noch im Netz.
zuletzt aktualisiert am 01.09.2024